38 Tage im Zelt: das Ende des Lagers an der Puerta del Sol
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In der Nacht zum 3. November baute die Polizei das Zeltlager auf Madrids zentralem Platz ab, in dem 38 Tage lang Menschen gegen unbezahlbaren Wohnraum protestiert hatten. Bis Mittag war der Platz gewaschen, fast 36 Tonnen Abfall waren weg. Wie es begann, wie es endete und was Spanien am 11. November erwartet.
Gegen drei Uhr morgens am Dienstag, dem 3. November, rückten 400 Polizisten auf die Puerta del Sol vor, Nationalpolizei und Stadtpolizei gemeinsam. Binnen weniger Stunden bauten sie ein Lager ab, das 38 Tage mitten im Herzen Madrids gestanden hatte, direkt unter der Uhr, nach der ganz Spanien Silvester feiert. Bis Mittag war der Platz leer und sauber, als wäre nichts gewesen.

📍 Wie alles begann
Alles begann mit der 87-jährigen Maricarmen. Am 23. September wurde sie aus ihrer Mietwohnung im Viertel Retiro geräumt, und ihre Geschichte wurde für viele zum Symbol der Wohnungskrise. Am 26. September zog ein großer Marsch für bezahlbaren Wohnraum von Sol zum Parlament. Die Zahlen gehen auseinander: 25.000 laut Regierungsdelegation, 300.000 laut Veranstaltern. Am Abend gingen einige nicht nach Hause, sondern bauten direkt auf dem Platz Zelte auf.
Nach wenigen Tagen war daraus eine echte Zeltstadt geworden: in der Spitze rund 1.800 Zelte und etwa 2.000 Menschen, die dort lebten. Die Forderungen versteht jeder Mieter: niedrigere Mieten, keine Zwangsräumungen mehr, mehr Sozialwohnungen und Hilfe für Menschen auf der Straße.
📍 Wer am Ende noch da war
Ende Oktober begannen die Aktivisten bereits, von selbst abzubauen. Am 31. Oktober kündigte die Mehrheit der Lagerkommissionen an, in die Stadtviertel zu gehen und den Generalstreik vorzubereiten. Doch die Zelte blieben nicht leer: Darin blieben Menschen, die schlicht nirgendwo anders hinkonnten. Laut Qué! waren rund 90 % der in der Räumungsnacht kontrollierten Personen obdachlos.
📍 Die Nacht der Räumung
Um drei Uhr morgens standen noch etwa 150 Zelte. Die Polizei kontrollierte die Papiere von 334 Personen und nahm zwei wegen Widerstands fest. Die 71-jährige Luz Mila, eine der Bewohnerinnen des Lagers, erzählte Infobae, man habe sie mitten in der Nacht unter Geschrei und Stößen hinausgebracht, bei etwa fünf Grad.
Ab hier gehen die Darstellungen auseinander. Die Organisatoren sprechen von Schlägen und Pfefferspray. Die Regierungsdelegation nennt die Räumung ein letztes Mittel nach mehreren Warnungen und versichert, es habe keine Gewalt gegeben. Rettungskräfte des SAMUR halfen fünf Personen, eine wurde schwer verletzt, laut Einsatzbilanz von einer Reinigungsmaschine getroffen.
📍 Der Morgen danach
Sobald die Menschen hinausgebracht waren, rückten rund 50 städtische Reinigungskräfte mit Baggern und Müllwagen an. Fast 36 Tonnen Zelte, Habseligkeiten und Abfall wurden abtransportiert, mehr als hier nach Silvester eingesammelt wird (rund 34 Tonnen). Die Zelte kamen in städtische Lager, wo die Besitzer sie abholen können.
Madrids Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida schätzt, dass die Geschäfte in der Umgebung in den 38 Tagen mehr als 30 Millionen Euro verloren haben, und die Stadt will jeden Euro der Reinigung zurückholen. Die Präsidentin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, warf der Zentralregierung vor, das Lager so lange geduldet zu haben.
📍 Wie es weitergeht
Das Lager ist weg, der Protest aber nicht vorbei. Für Mittwoch, den 11. November, ist in ganz Spanien ein 24-stündiger Generalstreik im öffentlichen und privaten Sektor ausgerufen. Dazu rufen CCOO und UGT gemeinsam mit CGT, CNT, Intersindical Valenciana und Mietergewerkschaften auf. Gefordert werden höhere Löhne, bezahlbarer Wohnraum, eine Mietbremse und ein Ende der Zwangsräumungen.
Für uns alle heißt das: Am 11. November können Verkehr, Schulen und Behörden nur im Notbetrieb arbeiten. Wer an dem Tag eine Reise, einen Arzttermin oder einen Behördengang hat, sollte vorher alles prüfen. Die Bahnbeschäftigten streiken außerdem am 10., 12. und 17. November.
📍 Und in Alicante?
Anfang Oktober bekam auch Alicante sein eigenes Protestlager für Wohnraum, auf der Plaza de la Montañeta, ein paar Schritte vom El Corte Inglés, berichtete ESdiario. Von einer Räumung ist bisher nichts bekannt. Wir bleiben dran und berichten, wenn sich etwas ändert.
Originalquelle: Qué! ↗