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Was gerade passiert

Ende Oktober und in den ersten Novembertagen nahm die kleine Insel El Hierro ein Boot nach dem anderen auf. Am 24. Oktober kamen vier Boote mit 566 Menschen an. Am 1. November brachten zwei weitere 307 Menschen. In der Nacht auf den 4. November und am Morgen erreichten sechs Boote die Insel; nach der Zählung von Moncloa.com waren 557 Menschen an Bord, 46 davon minderjährig. Die Insel kann so viele Menschen nicht unterbringen, deshalb charterte die Regierungsdelegation eine Fähre, um etwa 500 von ihnen nach Teneriffa zu bringen.
Laut dem spanischen Innenministerium erreichten zwischen Januar und Oktober 13.327 Menschen die Kanaren. Das sind 5,5 % weniger als im gleichen Zeitraum 2025. Mitte Oktober war der Abstand noch viel größer, 33,5 %. Der starke Anstieg am Monatsende hat ihn fast aufgezehrt: Allein im Oktober kamen 6.194 Menschen an. In ganz Spanien kamen in zehn Monaten 32.942 Menschen an, 8,9 % mehr als ein Jahr zuvor.
Woher die Boote kommen und warum sich die Route verschoben hat
Fast alle Boote dieses Herbstes legten in Senegal (Saint-Louis, Mbour, Kafountine) und in Gambia ab. Viele waren fünf bis sieben Tage auf See. Früher brachen die meisten Menschen von der Küste Mauretaniens auf, doch dort hat sich viel verändert. Spanien hat jetzt 40 Beamte der Nationalpolizei und der Guardia Civil in Mauretanien, mit zwei Booten, einem Hubschrauber und 14 Geländewagen. 2026 stoppte Mauretanien 37 Boote mit mehr als 4.300 Menschen. Am 3. November dankte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska den mauretanischen Behörden dafür.
Die spanische Organisation Caminando Fronteras, die Migrationsrouten beobachtet, erklärt es so. Aus Senegal gehen junge Menschen weg, die zu Hause keine Perspektive sehen. Über Gambia brechen jetzt Menschen aus der Sahelzone auf, die früher von Mauretanien aus losfuhren. Die strengere Kontrolle in Mauretanien hat die Route also nicht geschlossen, sondern nach Süden verschoben. Der Weg ist länger geworden, und das erste Land darauf ist oft El Hierro.
Der Preis der Überfahrt

Diese Route gilt als die tödlichste nach Spanien. Nach Zählung von Caminando Fronteras starben dort allein von Januar bis Mai 2026 635 Menschen. Die Organisation nennt fehlende Such- und Rettungskräfte, schlechte Abstimmung zwischen den Ländern und seeuntüchtige Boote als Gründe. Im September trieb ein Boot aus Gambia mit 127 Menschen an Bord 26 Tage auf dem Ozean. 45 überlebten.
Warum die Menschen nicht zurückgeschickt werden
Wer auf See gerettet wurde, kann nicht einfach zurückgeschickt werden. Jeder hat das Recht, Asyl zu beantragen, und solange der Antrag geprüft wird, darf die Person nicht abgeschoben werden. Unbegleitete Minderjährige werden gar nicht abgeschoben, sie kommen in die Obhut der Kanaren. Ein Erwachsener, dessen Antrag abgelehnt wurde, kann nur in ein Land gebracht werden, das ihn zurücknimmt. Zuerst muss geklärt werden, wer er ist und woher er kommt, und die meisten haben keine Papiere. Mit Mauretanien hat Spanien ein Rückübernahmeabkommen. Mit Senegal gibt es keines, nur gemeinsame Patrouillen und Programme für Saisonarbeit.
Die Zahlen zeigen das Ergebnis. 2024 erließ Spanien 51.025 Ausweisungsbescheide und vollstreckte etwas mehr als 3.000, so die von Infobae zitierten Eurostat-Daten. 2025 führte die Polizei 3.398 Ausweisungsverfahren durch. Sofortige Zurückweisungen an der Grenze und freiwillige Ausreisen sind darin nicht enthalten.
Was das für die Kanaren bedeutet

Am schwierigsten ist es mit den Kindern. Die Kanaren betreuen derzeit rund 2.630 minderjährige Migranten, ausgelegt sind sie auf 782 Plätze, sagt Sandra Rodríguez, Leiterin der Kinderbehörde der kanarischen Regierung. Nach der Reform des Ausländergesetzes werden Kinder verpflichtend auf andere Regionen Spaniens verteilt, und bis März 2026 sank ihre Zahl auf den Kanaren von fast 6.000 auf unter 3.500. Doch laut dem Regierungsdelegierten auf den Kanaren, Anselmo Pestana, fechten fast alle von der Volkspartei regierten Regionen diese Verlegungen vor Gericht an. Allein im Juli schalteten die Kanaren dreimal die Staatsanwaltschaft ein, weil Aragón die Aufnahme von Kindern verweigerte.
Auch der politische Streit spitzt sich zu. Der kanarische Regierungschef Fernando Clavijo wirft der Zentralregierung „Schweigen“ vor, und die Inselregierung sagt, Madrid rufe nicht einmal an. Minister Ángel Víctor Torres entgegnet, die Lösung liege in der Verteilung der Kinder auf die Regionen.
Wie das ausgeht, ist schwer zu sagen. Solange Senegal und Gambia jungen Menschen keinen Grund zum Bleiben geben und Abschiebungen so schwierig bleiben wie jetzt, werden die Boote weiter kommen. Die nächsten Zahlen des Innenministeriums, Stand 15. November, werden zeigen, ob der Anstieg anhält.